Von Schuldgefühlen, Liebe und Einsamkeit

Einsame Bank im Winter

Das Spannungsfeld

Ich weiß nicht, wie es Dir damit geht, aber vielleicht hast Du ja ähnliche Erfahrungen. Auf der einen Seite steht bei mir ein Gefühl von schlechtem Gewissen und Scham. Ich will niemandem zur Last fallen. Auf der anderen Seite habe ich das Bedürfnis nach Nähe, Liebe und Zuneigung.

Das schlechte Gewissen

Viele meiner Unzulänglichkeiten möchte ich nicht nach außen tragen. Das hat viel damit zu tun, dass ich mich ein gutes Stück weit schäme. Am liebsten soll niemand etwas mitbekommen. Ich will niemandem zur Last werden! Schuldgefühle eben!

Nehmen wir allein die Tage, wo es mir unendlich schwer fällt, überhaupt aufzustehen. Oder die Konzentrationslücken und Aufmerksamkeitsstörungen, oder, oder, oder … . Gerade Menschen, die ich eigentlich liebe, kann ich dann nur schwer in meiner Nähe ertragen. Es sind eigentlich genau die Menschen, die mit mir gemeinsam leiden, die Mitgefühl haben, denen ich etwas Wert bin. Es sind genau die Menschen, die ich brauche. Gerade denen aber will ich es nicht schwer machen.

Die Folge ist ein unbedingtes Bedürfnis mich abzugrenzen und alleine zu sein.

Mauern

Gerne baue ich dann sehr hohe Mauern. Aber auch das ist für das Umfeld häufig eine riesige Enttäuschung. Verständlich, dass das viele Menschen, mit denen ich früher viel und gerne Zeit verbracht habe, dieses Verhalten persönlich nehmen. Na klar beziehen sie das irgendwie auf sich.

Weil ich auch das nicht will, ziehe ich mich dann noch weiter von diesen Menschen zurück. Bin nicht erreichbar, weil ich das Gefühl habe, egal, wie ich es nun mache – ob Mauer oder Nähe – es wird eh nicht richtig laufen. Das Ergebnis ist nicht nur das Gefühl alleine zu sein, sondern einsam!

Abwärtsspirale

Beide Punkte zusammen ergeben dann eine Abwärtsspirale aus sozialem Rückzug, Kälte und Einsamkeit. Das Motiv hierzu ist eigentlich „edel“. Das Ergebnis ist jedoch nicht nur für mich selbst, sondern auch für alle Menschen, die mich mögen eine Zumutung.
Was bleibt ist eine Selektion im Umfeld. Leider ist es aber keineswegs so, dass mir nur die berühmten „falschen Freunde“ abhanden kommen.  Auf die kann ich sehr gut verzichten. Im Gegenteil auch Menschen, die ich sehr schätze und die mit mir fühlen und leiden gehen verloren. Schade!

Fazit

Beide beschriebenen Sachverhalte sind Symptome der Depression. Somit wäre eine Lösung die Depression einfach zu beseitigen. Obwohl von vielen öffentlichen Stellen beteuert wird „Die Depression ist gut behandelbar“, ist mir dieses eben noch nicht gelungen. Ich denke es wird darum gehen, die Schuldgefühle zurück zu fahren und ein Stück der eigenen Empathie zu ignorieren.

Ich will wieder ohne schlechtes Gewissen sagen können:

  • „Ich liebe Dich und ich brauche Dich!“

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Weiterführende Bücher zum Thema

Heilung von Schuldgefühlen: Das Geschenk des inneren Friedens wieder erfahren
Liebe dich selbst – LIVE
Verletzlichkeit macht stark: Wie wir unsere Schutzmechanismen aufgeben und innerlich reich werden

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6 Responses

  1. Mahrer sagt:

    ja, genau, so gehts mir oft auch.
    sehr gut beschrieben.
    ich habe Gott sei dank 2 treue aFreundinnen, die in jeder Situation zu mir stehen.

  2. Mondeinhorn sagt:

    Und wie geht man als Freund am sinnvollsten auf einen Menschen mit Depressionen ein? Ermuntert man ihn, seine Selbstisolation zu verlassen (Einladen, mit ihm ausgehen) – oder beschleunigt man mit dieser gut gemeinten Intention die Abwärtsspirale nur noch?

    • depressionEnde sagt:

      Das ist eine total gute Frage. Ich fürchte, dass die nur individuell beantwortbar ist. Mir ist leider noch kein „Patentrezept“ über den Weg gelaufen. Die Depression ist bei niemandem gleich… . Kein Mensch ist gleich… . Die Informationslage für Angehörige ist leider auch schlecht. Unser Bereich für Angehörige ist noch im Aufbau. Einstweilen gibt es von der Deutschen Depressionshilfe einige Anhaltspunkte… . Siehe hier

  3. Mira sagt:

    Dann mache es doch. Sage es, genau so wie Du es beschrieben hast! Niemand muss einsam sein……….Das ist ja das schlimme die Einsamkeit erschaffen wir uns selbst und nur wir selbst können da rauskommen.
    Ich weiß wie schwer es ist :-( Ich fühle genau so wie Du, aber ich bin über meinen Schatten gesprungen und kann sagen, es lohnt sich jemanden zu sagen was in einem vorgeht!!! Es ist etwas wunderbares entstanden, was ich niemals mehr missen möchte.
    Meine Depression ist zwar deshalb nicht weg, aber es ist jemand da, der mich genau so wie ich bin liebt und das ist unbezahlbar.
    Versuche es, quäle Dich nicht weiter!!!!!!! Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen, dass ich die Person der ich erzählt habe was in mir vorgeht sehr glücklich gemacht habe. Ich konnte es mir vorher nicht vorstellen, dass jemand mit mir nur ein einzigen Tag aushalten würde…………Und jetzt sind es 5 wunderschöne Jahre, die diese Person an meiner Seite ist. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar!!!!
    Rede mit der Person (Personen), Du kannst nur gewinnen, den so wie es jetzt ist, hast Du definitv verloren :-(

    • depressionEnde sagt:

      Lieben Dank, liebe Mira für die mutmachenden Worte.
      Wundervoll, dass es bei Dir so toll funktioniert hat. Liebe Grüße

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