Depressionen – Angehörige leiden mit!

Skulptur Hand Zärtlichkeit Hilfe Angehörige Mitgefühl

Die Rolle der Angehörigen ist bei Depressionen sehr wichtig

Häufig werde ich gefragt, ob depressive Menschen Unterstützung durch Angehörige, Partner und Freunde benötigen. Zunächst ist mir hier wichtig, dass jeder Mensch – ob nun mit oder ohne Depression – anders ist. Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte, seine eigenen Erfahrungen und seine eigenen Bedürfnisse. Deshalb glaube ich nicht an allgemein gültige Wahrheiten. Schon gar nicht in Zusammenhang mit der Depression.

Ich kann nur meine Erfahrungen als Betroffener weitergeben. Und die Erfahrungen, die ich im Umgang mit  den vielen 100 depressiven Menschen und Angehörigen gesammelt habe, die mir auf meinem Weg mit der Krankheit begegnet sind.
Aus meiner eigenen Erfahrung und für mich kann ich die Frage mit einem eindeutigen „Ja, Angehörige sind unglaublich wichtig“ beantworten. In den schwärzesten Phasen meiner Erkrankung erschien zeitweise ein Gesicht in der mich umgebenden tiefen Dunkelheit. Es gab mir Halt zu wissen, dass jemand da sein würde, wenn diese Dunkelheit endlich verschwindet. Ich war nicht in der Lage mich zu bedanken, aber es gab in mir Hoffnung, wo keine Hoffnung mehr war. Es gab mir Sinn weiter zu kämpfen.

Betroffen sind nicht nur die depressiv Erkrankten

Vorab sei aber angemerkt, dass es alles andere als einfach ist, depressiven Menschen in wirklich hilfreicher Form zur Seite zu stehen und dabei Störungen in der Beziehung zu vermeiden. Der Anspruch der Angehörigen sollte hierbei aber aus meiner Sicht nie sein, eine Therapie oder einen Therapeuten ersetzen zu können. Nicht selten fühlen sich Angehörige bei Depressionen aber überaus hilflos.

Mir ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Leidenden nicht nur die an Depressionen Erkrankten sind. Die Depression verursacht häufig im Umfeld der Erkrankten erhebliches Leid. Betroffen sind also auch Angehörigen. Hierzu zählen z.B.

  • Partner
  • Kinder
  • Freunde
  • Arbeitskollegen
  • Verwandte
  • etc.

Oder allgemein formuliert: Die Depression wirkt sich auch auf das gesamte Umfeld des erkrankten Menschen aus!

Belastungen für die Angehörigen

Das im Umfeld verursachte Leid ist vielschichtig. Nicht nur das Krankheitsbild der Depression hat Auswirkungen auf die Betroffenen. Häufig liegen diese in der Beziehungsebene. Auch die Therapie wirkt sich auf das Leben der angehörigen Personen aus. Zu denken ist hier beispielsweise an die Kinder, die während der Behandlungszeiten eines depressiven Elternteils in einer Klinik betreut werden müssen oder an Eltern, die ihre depressiv erkrankten Kinder in einer ländlichen Region eventuell während der Arbeitszeit zur Therapie fahren müssen. Die Beispielliste ließe sich endlos fortführen.

Hilfe zu leisten ist schwierig

Depressiven Menschen als Angehöriger, Freund, Partner auf eine angemessene Art und Weise zu helfen, ist eine riesige Herausforderung.
Es mangelt an Hilfsangeboten und Information für Angehörige. Nicht selten geraten Angehörige ebenfalls in die Spirale der Depression. Nicht selten benötigen sie selbst eine Therapie.

Wie so oft bei der Depression gibt es viele komplexe Zusammenhänge, die den Umgang mit depressiv Erkrankten so schwierig machen. Beispielhaft seien die folgenden drei genannt, die ich in eigenen Beiträgen aufgreifen werde.

  • Je größer die Liebe ist, desto größer sind oft die Schwierigkeiten
  • Erkrankte sind oft sehr sensibel
  • Es gibt keinen Schalter, den man einfach umlegen kann

 

Weiterführende Literatur

Wenn der Mensch, den du liebst, depressiv ist: Wie man Angehörigen oder Freunden hilft
Depression. Helfen und sich nicht verlieren: Ein Ratgeber für Freunde und Familie
Wenn die Liebe überschattet wird – Leben mit einem depressiven Partner
»Sie haben es doch gut gemeint«: Depression und Familie

Fazit

Das Thema Angehörige ist komplex und gleichermaßen wichtig! Deshalb werden wir hier dem Thema eine eigene Rubrik widmen. Ich hoffe, dass es uns gelingt, hier einen Anlaufpunkt auch für die Angehörigen zu bieten, die meiner Meinung nach viel zu oft alleine mit dem Thema gelassen werden. Einstweilen kann ich als Quelle für Angehörige noch die Seiten des DGBS empfehlen. Sie stellen aus meiner Sicht eine der wenigen adäquaten Anlaufstellen im Netz für Angehörige dar.


 

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Ich freue mich auf alle Anregungen, Kommentare und Verbesserungsvorschläge und Erweiterungsvorschläge. Und hoffe, dass sich auch die Angehörigen zu diesem Thema melden und ihre Erfahrungen mit uns teilen.
Wenn Du als Angehöriger Deine Erfahrungen mit uns teilen möchtest, erfährst Du  hier, wie das geht.

8 Responses

  1. Sylke sagt:

    Das stimmt leider, nicht nur für die Betrofenen gibt es zu wenig Hilfe, sondern auch für die Angehörigen :-(
    Ich finde es richtg gut, dass man hier auf der Seite versucht auch uns Angehörigen etwas Hilfestellung zu geben! Vielen Dank dafür!
    Bitte mehr davon :-)
    Es ist wirklich sehr schwer für uns außenstehende diese Krankheit irgendwie zu verstehen………… Ich denke mittlerweile keiner kann es so wirklich verstehen, die Betrofenen nicht, Ärzte, Therapeuten und wir Angehörige auch nicht :-(
    Man kann es aber akzeptieren und immer wieder versuchen für den Erkrankten da zu sein!
    Es ist nicht immer leicht, aber gemeinsam kann man es schaffen.

    • depressionEnde sagt:

      Hallo Sylke. Keiner sollte da alleine durch müssen. Kein Betroffener& kein Angehöriger. Ich werde mich mühen in der nächsten Zeit möglichst viel, der wirklich schwer zu findenden Informationen für Angehörige auf den Seiten darzustellen. Danke für die lieben Worte und liebe Grüße aus HH

  2. Kerstin sagt:

    Es ist für keinen leicht…ich als betroffene kann nicht erklären was los ist und Familie und Freunde sind teilweise so hilflos… Das es mir wiederum wehtut… Man kann einfach nur annehmen was gerade da ist und hoffen das das Licht am Horizont größer wird als es ist…

    • depressionEnde sagt:

      Liebe Kerstin, ich kann alles was Du beschreibst zu 100 % nachvollziehen. Vor allem diese Beklemmung, wenn das Umfeld heillos mit einem selbst überfordert ist, kenne ich auch. Ich wünsche Dir alle Liebe und schnell ganz viel Licht am Horizont!

  3. Sonja sagt:

    Hallo. Ich finde es toll wenn die Angehörigen mehr einbezogen würden. Vielleicht auch den ihre sorgen und Ängste mal angehört werden. Wird leider bis jetzt gar nicht nach gefragt.

  4. kochy25 sagt:

    Am schlimmsten ist, wenn die „weißkittel“ das dann noch in die richtung „Persönlichkeitsstörung“ schieben. Ich weiß nicht mehr was ich wirklich für eine komische Krankheit habe. Alles fing im 4. Lebensjahr mit Schlafstörungen an, diverses Mobbing vom Kindergarten bis hin ende Hauptschuleschule. Da war schon ein großer Teil des Grundsteins dafür gelegt. Bereits da hatte ich mit immenser Müdigkeit zu kämpfen und auch mit Gefühlslosigkeit.

    Diese Müdigkeit wurde mit den Jahren mit jedem „Arschtritt“ den ich bekam schlimmer.

    Nach dem Arbeitsunfall ist das soweit Fortgeschritten, das fast nichts mehr hilft, der Tag nur noch Müde, trostlos und leer ist. Und jetzt soll alles (persönlichkeitsdiagnose) noch meine schuld selber sein – klasse.

    Ich bin Mental am Ende meiner Kräfte und schaffe nicht mal mehr einen 400 € job. Phasenweise bin ich so kaputt das ich fast 20 Stunden am Tag schlafe. Nichts interessiert mich mehr.

    Ich habe mein Leben lang bis jetzt immer gerne gearbeitet, aber seit dem Unfall ist das vorbei – richtig schlimm ist das erst geworden in dieser „Maßnahme zur Teilhabe“ von der Rentenversicherung – seit dem ist das so übel das ich jeden Tag Quasi ums überleben kämpfe – Es ist nichts mehr da was mir noch freude bereitet, die kleinsten Dinge im Leben sind Gigantisch anstrengend – selbst die Eigenen.

    Es fehlt mir der Sinn dahinter, die „denkbare Perspektive“, die Zuversicht, das Selbstvertrauen.
    Das ist so schlimm geworden, das es sogar messtechnisch für eine Narkolepsie Diagnose reicht.

    Aber sämtliche Symptome sind ja nur „Eingebildet“ weil ich laut Arzt in der Persönlichkeit gestört bin. Klasse oder? So heißt das im klartext, wenn ich weiterhin Symptome habe ist alles Meine Schuld weil ich nicht an mir Arbeite und alles falsch verstehe und falsch deute, Stehe ich dazu und lasse das zu ist der Grund für die Rente weg – weil ich ja „nicht Will“ weil es teil meiner Persönlichkeit ist.

    Super Ärzte!!!!!!!!

  5. Steffi sagt:

    Auch ich finde es toll das sich endlich mal jemand mit dem Thema der Angehörigen befasst. Ich bin selbst Betroffene und fühle mich sehr häufig schlecht weil die Menschen die am meisten für mich da sind auch die sind denen ich auch häufig misstraue…. Ich glaube es ist schon sehr schwer immer da zu sein wenn man so oft Zweifel an der Solidarität unterstellt bekommt. Ich bin unheimlich dankbar das diese Menschen mich nicht aufgeben.

    • depressionEnde sagt:

      Hallo Steffi,
      ich finde, da hast Du einen sehr wichtigen Punkt aufgegriffen. Vertrauen, was zum Teil „ungerechtfertigt“ verloren geht.
      Liebe Grüße und alles Gute.

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